Dienstag, 24. Februar 2015

Komplexität und Organisation entgegen der Unordnung

Vergleicht man den menschlichen Organismus mit einer Organisation, lassen sich unzählige Parallelen finden. Unser Körper besteht aus einer Vielzahl von Zellen, in denen komplexe Vorgänge auf kleinster Ebene ablaufen. Jede einzelne Zelle arbeitet wie eine kleine Fabrik. Der Zusammenschluss dieser Vorgänge dient der Entwicklung des Individuums. Der biologische Schlüssel liegt codiert im Zellkern vor. Durch molekulare Vorgänge wie Transkription und Translation werden diese Informationen in Bruchstücke übersetzt, die anschließend die Grundlage für die Herstellung neuer Stoffe außerhalb des Zellkerns bilden. Einzelne Abschnitte dieser Bruchstücke enthalten also den Bauplan für wichtige Proteine, die unsere Existenz überhaupt erst ermöglichen.

Grob vereinfacht, lassen sich diese Vorgänge mit einem Unternehmen vergleichen, das an Wachstum und Erfolg interessiert ist. Jedes Zahnrädchen der Firma, ob Arbeiter oder Maschine, verfolgt ein gemeinsames Interesse. Im Zusammenschluss organisieren sich multinationale Konzerne also vom kleinsten Bruchstück einer Genomsequenz des einzelnen Mitarbeiters, bis hin zu länderübergreifenden Institutionen, die ganze Organismen und Ökosysteme beeinflussen. Die Evolution der Einzeller hat gezeigt, dass durch den Zusammenschluss von vielen Zellen zum gesamten Organismus durch Endosymbiose Wettbewerbsvorteile entstanden, die höher organisierte Konzerne nun bewusst oder intuitiv nachahmen. Dieser Evolutionsdruck, diese treibende Kraft zur stetigen Verbesserung und Anpassung an Umweltbedingungen führt dazu, dass immer höher organisierte Systeme entstehen. Monopolartige Konzerne in Kombination mit weltweiter Vernetzung sind nur Vorstufen einer global agierenden Macht, die zu immer höherer Komplexität neigt. Neben Kindergärten, Schulen, Universitäten, Forschungseinrichtungen, Staaten und Militärallianzen ist auch das Bankensystem ein Beweis für die treibende Kraft in Richtung Komplexität.

Während das menschliche Bewusstsein komplexe Systeme nur begrenzt verstehen kann, gibt es auch Systeme, die sich leicht nachvollziehen lassen. In der modernen Zeit ist es normal, dass Kinder zur Schule gehen. Doch auch dieses System ist nur das Bruchstück einer höheren Gesamtordnung, die in ihren Zusammenhängen schon viel komplexer erscheint. Auch an diesem Beispiel wird deutlich, dass die treibende Kraft der verbesserten Anpassung überhaupt erst zur Herausbildung eines derartigen Schulsystems führen konnte. Diese Gedankengänge lassen sich auf nahezu jedes moderne System beziehen.

Um die Bedeutung von Ordnung entgegen Unordnung zu verstehen, kann man auch physikalische Ansätze verfolgen. Entropie ist im Universum allgegenwärtig. Nur durch Energie lassen sich komplexe Systeme des Lebens erhalten und verbessern. Wenn man also davon ausgeht, dass technologische Fortschritte, ausgenommen menschenfeindliche Erfindungen wie Waffen und Atombomben, für eine Verbesserung der Lebensumstände sorgen, wird damit gleichzeitig auch der Anspruch einer biologischen Evolution erfüllt. Spannend bleibt die Frage, woher diese permanente Kraft in Richtung Höherorganisation stammt. Wie konnte dieser Druck, diese treibende Kraft mittels Energie entgegen der Unordnung zu kämpfen, überhaupt erst entstehen?