Montag, 19. Januar 2015

25 Jahre Mauerfall. Und die Kinder?

Welchen Einfluss hatte der Mauerfall auf die Generation der Wendekinder?

Als vor 25 Jahren die Mauer fiel, kam der letzte geburtenstarke Jahrgang in Ostdeutschland zur Welt. Aufgewachsen unter Eltern, die teilweise an den alten Werten des Sozialismus festhielten, mussten die Wendekinder ihren eigenen Weg finden. Schnell wurde die neue Generation mit den Problemen des Kapitalismus konfrontiert. Schließlich konnten weder die eigenen Eltern, noch die Lehrer sicher vorhersagen, welchen Einfluss das neue System auf die Entwicklung ihrer eigenen Nachkommen später einmal haben würde.
Und so entstanden in einigen Gebieten Ostdeutschlands kurz nach dem Mauerfall soziale Brennpunkte, in denen unzählige Jugendliche ohne Perspektive aufwuchsen. Alte Industrieanlagen der ehemaligen VEB-Werke hinterließen eine hohe Arbeitslosigkeit in Plattenbausiedlungen, die ursprünglich für die arbeitende Bevölkerung der DDR erbaut wurden. Nach der Schließung dieser Werke zerfielen die Anlagen und mutierten zu Spielplätzen für abenteuerlustige Kinder. Die hohe Arbeitslosigkeit führte zu einer Abwanderung breiter Bevölkerungsschichten nach Westdeutschland. Übrig blieben ärmere Menschen, die in Plattenbausiedlungen günstigen Wohnraum vorfanden.
Nach dem Mauerfall griffen viele Wendekinder zu Rauschmitteln und Gewalt, um dem Chaos der Ellenbogengesellschaft zu entfliehen. Neue Gruppierungen entstanden und formten eine bizarre Jugendkultur aus Straßenrappern und Graffitisprayern. Phänomene, die überwiegend durch westliche Medien verbreitet wurden.
Im kürzlich erschienenen Entwicklungsroman „Kalktown Stories“ wird die Geschichte der Wendekinder aufgegriffen und von einem Zeitzeugen anschaulich skizziert. Traurige Schicksalsbeschreibungen zeigen darin die Schattenseiten einer verlorenen Generation, die es ohne Mauerfall vermutlich etwas leichter gehabt hätte, rechtzeitig den Anschluss zu finden.

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